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4. Mai 2013

Jazz Baltica 2013 - Jazz und mehr: Treffen der Meister

Obgleich JazzBaltica seit 2002 unter dem administrativen Dach des Schleswig-Holstein Musik Festivals firmiert, hat das größte Klassikfestival Europas in seiner 27-jährigen Geschichte immer wieder Künstler und Projekte präsentiert, die in den Grenzbereichen zwischen Klassik, Jazz und zeitgenössischer Avantgarde anzusiedeln sind. Man denke nur an die Konzerte mit dem Dirigenten und Stimmvirtuosen Bobby McFerrin, mit dem Pianisten Chick Corea, der mit dem Vibraphonisten Gary Burton das legendäre „Crystal Silence“-Project wieder aufleben lies oder an den Auftritt der Hammond-Ikone Jimmy Smith und der First Lady of Big Band Jazz Carla Bley mit ihrem Mann Steve Swallow und der NDR Bigband.





In diesem Jahr darf sich das Publikum gleich auf mehrere Projekte dieses Kalibers freuen. In einem „Treffen der Meister“, werden sich am 27.Juli in der Lübecker MuK die ECHO-Preisträger und zugleich besten Trompeter beider Sphären begegnen, um 300 Jahre Musikgeschichte aus ihren unterschiedlichen Wurzeln und Erfahrungen zu interpretieren. Auf der einen Seite der 36-jährige, in Russland geborene und für seine atemberaubende Virtuosität und seinem warmen gesanglichen Ton bekannte Sergei Nakariakov. Auf der anderen Seite Till Brönner, der sich 
seit seinem Debut „Generations of Jazz“ von 1993 an der Spitze einer international immer stärker beachteten deutschen Jazzszene positioniert hat. Darüber hinaus produzierte er Alben für u.a. Hildegard Knef, Nathalie Cole, Thomas Quasthoff. Man darf gespannt sein, wie sie den enormen Spagat vom deutschen Barock eines J.S. Bachs über Gershwin, dem Jazz eines Richard Galliano und Egberto Gismonti bis hin zum Tango Astor Piazzollas meistern werden. Arrangiert hat das Programm der legendäre Jazz-Akkordeonist unddreifache Grammy-Gewinner Gil Goldstein. (27.7. Lübeck)

Dass Jazz viel mehr ist, als nur eine Musik, die aus Amerika kommt, will Till Brönner in einem weiteren spektakulären Konzert mit der NDR Bigband unter Beweis stellen. „Jazz ist hochgradig improvisierte Musik, eine sehr weit entwickelte Musik“, so Brönner „die in meinen Augen immer noch die gleiche Aktualität ausstrahlen kann, und eine Sprache, die man lernen kann.“ Am 17. August wird Deutschlands bekanntester Trompeter im Hamburger Museum der Arbeit Songs seines neuen, hochgelobten Albums vorstellen, zu dem er sich von den legendären Einspielungen Creed Taylors (CTI) aus den 60er und 70er Jahren hat inspirieren lassen.
Denn diese Alben, so Brönner „zelebrieren ein Lebensgefühl, eine Virtuosität, und ja, auch ein perfektes Handwerk“. (17.8. Hamburg)


Apropos Lebensgefühl…
das, was da zu Beginn der 90er Jahre ein noch völlig unbekannter Posaunist in Deutschland entfachte, sollte dem Jazz einen neuen Popularitätsschub verleihen. Der europäische Funk-Jazz made in Sweden by The Nils Landgren Funk Unit – damals noch mit Esbjörn Svensson an den Keyboards – feierte 1994 in Salzau Premiere, traf den Nerv der Zeit und bedeutete den Beginn einer beispiellosen Weltkarriere. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurde Nils Landgren aufgrund seiner engen Verbundenheit mit dem Festival zu „Mr. JazzBaltica“ und übernahm im vorigen Jahr dann höchst erfolgreich die künstlerische Leitung. Getreu seinem Motto „Musik kennt keine Grenzen, Musik ist Freiheit“ zeigte sich Landgren stets für alle Musikstile offen und hat dementsprechend mit vielen unterschiedlichen Künstlern zusammengearbeitet. Mit dem Pianisten Michael Wollny verbindet ihn die Liebe zur kreativen Improvisation. Seit 2008, ihrem ersten Duokonzert auf Schloß Elmau, haben sie in diversen Konstellationen zusammen gespielt. Kein Partner wäre besser geeignet. Ob solo, in seinem Trio [em] oder in größeren Ensembles, Wollny überzeugt Presse und Publikum. Er wurde bereits mit zwei ECHOs ausgezeichnet und gilt mit seinen noch jungen Jahren als nahezu perfekter Jazzpianist, dem „virtuose Technik und überschäumende Fantasie, Disziplin und Fähigkeit zum kreativen Chaos, Sinnlichkeit und ästhetisches Gespür“ (FAZ) eigen sind.Unter dem Titel „Eternal Beauty: Musik ohne Grenzen –von Barock bis heute!“ werden Landgren & Wollny diesmal in großformatiger Besetzung mit der NDR Radiophilharmonie Hannover ihre musikalische Universalität unter Beweis stellen. Jörg Achim Keller,Leiter der NDR-Bigband, wird die Arrangements beisteuern. (23.8. Kiel, 24.8. Hamburg) 


Außergewöhnlich facettenreich, wenn auch in einem ganz anderen Genrezusammenhang, ist die Musik von David Orlowsky. Der ehemalige Schüler von Giora Feidman erschafft mit seinem Trio und dem Bandoneonisten Klaus Paireine Kammerweltmusik, die im Klezmer und in der osteuropäischen Folklore verankert ist. In nahezu blinder Übereinstimmung mit seinen Mitspielern entlockt er seiner Klarinette ein wahres Füllhorn an Klangfarben. Orlowskys große Stärke jedoch ist das leise Klangspektrum, sein samtig warmer und hauchzarter Ton, der die Kritiker von „musikalischer Emotionalität in Reinstform“ schwärmen lässt. (9.7. Kiel-Molfsee, 10.7. Pronstorf)


Den Swing in A-capella-Form auf hohem Niveau darzubieten, dazu sind nur wenige Ensembles weltweit fähig. The Real Group zählen neben The Manhattan Transfer oder den Swingle Singers zu den erfolgreichsten Vokalgruppen. Ob Pop-Hits von Britney Spears oder Michael Jackson, ob Jazz-Standards z.B. von Duke Ellingtons oder legendäre ABBA-Schlager wie „Dancing Queen“, ob Swing oder nordischer Folk –die fünf Sänger beherrschen die unterschiedlichsten Stilrichtungen und verstehen es, die populären Melodien mit ihrem ganz eigenen Sound zu versehen. Der zeichnet sich indes durch eine betörende Stimmmischung und geschmeidige Arrangements aus. Gegründet wurde die Gruppe 1984 in Stockholm. An die zwanzig Alben hat das Quintett bisher veröffentlicht, an einigen CDs haben prominente Gäste mitgewirkt, darunter Eric Ericson, Toots Thielemans und Anni-Frid Lyngstad, bekannt als Frida aus ABBA. Mit ihrer skandinavisch lockeren Art und natürlich ihrem famosen sängerischen Können erobern die fünf jedes noch so steife Publikum im Sturm. Und wenn dann noch die internationalen Ohrwürmer ausgepackt werden, dann würde wohl manch Zuhörer am liebsten mitsingen und -grooven. (26.7. Timmendorfer Strand/Niendorf, 27.7. Hamburg)