Es war eine kleine, aber sehr feine Szene, die der Jazz-Musiker in der DDR. Die Jazz-Pioniere mussten sich nach Gründung der DDR gegen allerlei Widerstände durchzusetzen, denn die »Affenmusik« war bei den Politikern überhaupt nicht gern gesehen, weil sie sich überhaupt nicht in den sozialistischen Realismus einordnen ließ. Eher zwangsläufig lockerten die Oberen nach und nach die Zügel und ließen eine Entfaltung der Szenerie, natürlich unter strenger Beobachtung, zu.
Der Fotograf und Journalist Frank Rüdiger nahm sich in seinem Buch MOMENTAUFNAHMEN die Jahre 1973 bis 1989 vor, jener Zeit also, die er selbst bewusst als Jazz-Fan bewusst erlebte. Er hat zusammengetragen, welche Jazz-Größen aus dem sogenannten Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet (NSW) ihre Zelte zeitweilig in der kleinen DDR aufschlugen und dort das Publikum begeisterten. Und nicht zuletzt deutet Rüdiger mit seiner gelungenen Mischung aus Reportage- und Porträtfotos an, welche Rolle die eigenen Jazz-Musiker im Vergleich zu den internationalen Eliten hatten. Die mussten sich keineswegs verstecken und entwickelten eine eigene musikalische Jazz-Kultur und hielten jeden Qualitätsvergleich mit den westlichen Kollegen stand.
