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25. Dezember 2012

Ragtime - Zerrissene Zeit

Ragtime war ein Vorläufer des Jazz, der seine Blütezeit in den USA zwischen 1899 und 1914 hatte. Musikalische Kennzeichen des Ragtime sind eine Synkopierung in der Melodie und ein Satz verwandter Themen, die innerhalb eines Stücks durch Modulationen miteinander verbunden werden. Der Entwicklungsschwerpunkt des Ragtimes lag in Heartland USA und besonders in Missouri. Etliche Ragtimes wurden der Weltausstellung 1904 in St. Louis gewidmet. Tom Turpin organisierte zu diesem Event einen großen Ragtime-Wettbewerb.
 
 
 

Ab 1906 bis zum Ersten Weltkrieg war Ragtime die populärste Musik in den USA. Die amerikanischen Soldaten unter General John J. Pershing machten den Ragtime auch in Europa bekannt. Der bekannteste Rag ist heute Scott Joplins "The Entertainer" aus dem Jahr 1902, der durch seine Verwendung in dem mit sieben Oscars, darunter "Beste Filmmusik" ausgezeichneten amerikanischen Spiefilm "The Sting - Der Clou" von George Roy Hill (1973) ein weltweiter Erfolg wurde.

Aus dem Ragtime ging der Harlem Stride hervor, der nach dem Bebop weiterentwickelt wurde und durchgängig in den Jazz Eingang fand. Mit dem Tode Scott Joplins 1917 endete die Ragtime-Ära. Sie wurde bis heute durch die Jazz-Ära abgelöst. Der Ragtime inspirierte auch die europäische zeitgenössische Musik. Claude Debussy komponierte 1909 die Rag-Miniatur "Le Petit Nègre aka The Little Negro". Igor Strawinsky und der deutsche Paul Hindemith komponierten neoklassizistisch verfremdete Rags. Claude Bolling spielte neben Jazz und Boogie Woogie auch immer noch gern und gut Ragtime.